Editorial: Den Winter hätt‘ ma auch überstanden. Der goldene oder auch violette Osterhase winkt
und dann kommen die diversen Frühlings- und Maitänze. Die gutbürgerliche Traditionsmaschinerie boomt. Trachten sieht man auch in Gegenden, wo man es bisher nicht für möglich gehalten hätte. Gejodelt wird, was das Zeug hält. Landauf, landab singt man wieder die schönen, alten, echten Volkslieder von Lorenz Mayerhofer & Co. Kärntner Brauchtumslandesräte verraten uns die letzten
Geheimnisse des Genres. „Wir können stolz darauf sein, dass über 100.000 Kärntnerinnen und Kärntner mit ihrer Tätigkeit in den zahlreichen Vereinen Heimat leben…“. Ja, eh – aber was lebt der arme, vereinslose Rest?
Nein – ich frage anders: Muss ich, wenn ich (volks-)tanzen gehe, jetzt schon quasi automatisch „Heimat leben“? Ich möchte nicht missverstanden werden: Natürlich ist „Liebe zur Heimat“ durchaus nachvollziehbar und überhaupt nicht anstößig. Aber es ist eben auch nicht jede Einfalt heilig. Mich beunruhigt, dass die Grenzen immer enger gezogen werden und damit Ausgrenzungen zwangsläufig zunehmen. Wenn all jene, die nicht im Trachtenrockerl herumlaufen
eben nicht „Heimat leben“ und damit eigentlich nicht zur Heimat gehören – wo gehören die dann hin? Einfach weg – damit nicht die Harmonie unseres Alpenechos gestört wird? Warum und zu welchem Ende wird dieser Heimatlebenschwachsinn erzählt?
Als ich vor ungefähr 40 Jahren zum Volkstanz gekommen bin, war der Begriff „Heimat“ noch ziemlich stigmatisiert und suspekt. Das hat mich damals durchaus geärgert. Heute, wo mir die Heimattümelei bereits mindestens so auf die Nerven geht wie therapeutisches Jodeln, hätt‘ ich doch gern die „alte Zeit“ zurück. Vielleicht ist das aber auch nur Ausdruck fortgeschrittenen Altersblödsinns.
Trotz alledem: Schöne Tage und Tänze. Und vergessen’s ma ja net auf die Heimat!
Inhalt
- Nachruf: Heinrich Zimmerhackl
- Helmut Jeglitsch: Tanzleiterin mit Einschränkungen?
- Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #18
- Eberhard Franz: Erinnerungen eines Volkstänzers
- Herbert Zotti: Hausball zum Symposium „Music for Dance“ mit Buchpräsentation
- Hans Jung, Gerhard Sattler: Volkstanz und Flüchtlingshilfe
- Gerhard Meixner: Unser 51. Alpenvereins-Volkstanzfest
- Herta Zwach: Mödlinger Tanzwerkstatt
- Helmut Jeglitsch: Junge und Alte im gleichen Tempo
Zu den Ausgaben der Zeitschrift „Fröhlicher Kreis“

