Editorial: Wieder ein Jahr umi. Bei dieser Gelegenheit: Ein gutes Neues Jahr!
Wir beginnen wieder voll mit guten Vorsätzen. Von den zahlreichen guten Ratschlägen ganz zu schweigen. Aber wir wissen auch, dass grundlegende Änderungen von uns nicht (mehr) zu erhoffen sind … Was aber nicht unwichtig wäre: Dass wir nicht in dieses, wieder modern gewordene und doch ewig gestrige Nationalgegrunze einstimmen. Wir haben uns in einem erschreckenden Ausmaß daran gewöhnt wieder Parolen zu hören und »durchgehen« zu lassen, die uns vordem erschauern ließen. Es ist bedauerlich und erschreckend, dass es gelungen ist alles Fremde zu diskreditieren und diffusen Grant gegen nahezu alle Migr- und Asyl-anten zu generieren. Die Wildanten kommen auch noch dran! Die kommen letztlich auch nur her geflattert, weil sie anderswo vertrieben worden sind und/oder sich hier ein besseres Leben erwarten. Ist das tatsächlich so verwerflich? Klarstellung: Ich bin kein Linksträumer. Und die Welt hat mir schon oft gezeigt, dass sie so ist wie sie ist. Aber muss man sich wirklich jede Woche ein paar neue Gemeinheiten ausdenken, um diese, großteils von Feinden und Armut Verfolgten weiter zu karniefeln? Warum schaffen wir es nicht, die Wertschätzung des Eigenen eben nicht mit der Verachtung des Fremden zu koppeln. Ist dieses besser, schöner, g’scheiter – kurzum »Erster« sein wollen so tief in uns drinnen, dass wir das Andere nur als Konkurrenz erleben können? Und ist Geiz tatsächlich so geil? Schaffen es wirklich einige, wenn auch mächtige, Vertreter der Politikerkaste die Gülle ihrer Persönlichkeitsstörungen erfolgreich über uns zu gießen? Und dann erzählen die auch noch über »Werte«! Warum ich das hier so ausführlich beschreibe und mich nicht über die Freuden des Tanzes errege: Unser Terrain, die Volkskultur, also alles was irgendwie mit Volks- anfängt, ist, wie die Geschichte zeigt, ziemlich anfällig auf nationale Versuchungen. Das liegt vielleicht daran, dass die Beschäftigung mit Volkskultur, wie auch der Nationalismus wesentliche Wurzeln in Idealismus und Romantik haben, also schon auch Verwandte sind, die im Lauf der Zeit einige wenig erfreuliche Allianzen eingingen. Es ist kein Zufall, dass Dirndln und Lederhoserln, als Ausdruck unserer alpinen Einmaligkeit, gerade jetzt wieder Hochkonjunktur feiern, wo die rechte Österreichshälfte sagt, wo’s lang geht. Hochmodern und unhinterfragt wird auch permanent über Tradition schwadroniert: So konnte man im ORF die erfreuliche Mitteilung vernehmen, dass im Defereggental der »Advent schon seit Generationen traditionell begangen wird«. Hier ahnt man, welches Ausmaß der Volkskulturschwachsinn bereits erreicht hat. Aber der Advent ist eh‘ vorbei. Also: auf ein Neues!
Inhalt
- Teresa Distelberger: Salon der Heimatgefühle
- Peter Paar: Die Mazurka im Österreichischen Volkstanz
– Teil 2: Zur Musik - Isabella Stift: Leserinnenbrief zu »Volkstanz im Internet #19
– Volkstanz in der Sackgasse?« von Franz Fuchs (fk #4/2018) - Thomas Weinold: Tanzseminar »Vorarlberger Tänze« am 22. September 2018
- Günter Stieger: Tanzleiterausbildung 2018 – Oberösterreich und Kärnten
- Judith Ziegler: 69. Wiener Kathreintanz
- Monika und Hans Jung: Volkstanz im Quellenbad?
Zu den Ausgaben der Zeitschrift „Fröhlicher Kreis“

