Editorial: In letzter Zeit habe ich mich öfter gefragt, was ein Volkstänzer ist, wenn er nicht tanzt.
Die Frage klingt doofer, als sie vermutlich ist. Weil sie nach unseren übrigen Optionen, Fähigkeiten und Neigungen fragt. Nicht also nach fehlenden beruflichen Erfordernissen (der Fischer ohne Fisch, der Tischler ohne Tisch). Und welche davon sind oder waren Pandemietauglich?
Bei aller Freude über die (hoffentlich) besseren bevorstehenden Zeiten, sollten wir doch noch einmal überlegen, was uns eigentlich im letzten Jahr besonders gefehlt hat. Und das waren: Gastronomie (inkl. Kaffeehaus und Heuriger), Reisen, Treffen mit Freunden und Sport. Kultur dürfte nur gesellschaftlichen Randgruppen gefehlt haben, zumindest wenn man den politischen Diskurs betrachtet. Womit wir bei der gar nicht neuen Erkenntnis angelangt sind, dass ein volles Bäucherl, das ein oder andere Glaserl, eingebettet in überschaubares Sozialleben und ein bisserl Vergnügen das eigentliche Leben ausmachen. Hinzu kommen eventuell noch „Körpernahe Dienste“ (ich meine vor allem Friseure und so).
Eine wesentliche Aufgabe der Kultur und Kunst war und ist, die Menschen aus ihrer (oft spießbürgerlichen) Selbstgenügsamkeit zu holen. Zu unterhalten schon auch. Und gute, geistreiche Unterhaltung ist keine leichte Aufgabe. Es gibt erfreulicherweise noch immer Künstler, sogar Regisseure, denen Ihr Publikum mehr ist, als eine Claqueurversammlung für die eigene Grandiosität.
In unserer Zeit des neuen Social-Media-Proletariats, in der die Deutung der Welt nur mehr aus Zustimmung oder Ablehnung besteht, alle Grautöne, Differenzierungen und Komplexitäten ausgeblendet werden, ist eine höchst aktive Kultur- und Bildungspolitik gefragt. Ich hoffe, dass wir als Geimpfte oder sonstwie Immunisierte auch die Auferstehung der Kulturpolitik erleben, die über die Verteilung (natürlich notwendiger) Gelder hinausgeht, ohne dabei so etwas wie „Staatskultur“ zu verordnen.
Wir versuchen jedenfalls mit den BAG Tagen im August wieder zu einer lebbaren Form gemeinschaftlichen Treibens (mit allen Ab- und Anstandsregeln) zurückzukehren und freuen uns auf ein erlebnis- und erkenntnisreiches Miteinander.
Mit den besten Wünschen für einen schönen, sorgenfreien und erbaulichen Sommer!
Inhalt
- BAG-Woche 2021: Ankündigung und Vorstellung der Referent*innen
- Zuhause tanzen mit Kindern #3:
– Tanzbeschreibung zu „Zeigt her eure Füße„ - Michaela Lehner: „Alte Tänze für junge Leute“
– Die neue Doppel-CD zum gleichnamigen Buch - Walter Egger: In dankbarer Anerkennung an den lieben Freund Luis Veit
- Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #25
- Sissy Banner: playfordandmore.at
Zu den Ausgaben der Zeitschrift „Fröhlicher Kreis“

