Fröhlicher Kreis 2/2016

Editorial: Die vorliegende Ausgabe enthält einige bedenkenswerte Artikel zu unserem, nicht mehr ganz neuen Thema „Tradition & Veränderung“.

Etwa, wenn Hansjörg Brenner bemerkt: „Es ist mir nicht geläufig wie man in Österreich zur Umgestaltung des tradierten Tanzes durch andere Institutionen, als die der Volkstanzpflege steht. Bei uns in Deutschland werden meist tradierte Volkstänze geändert, wenn es darum geht, Touristen in Folkloreabenden, effektvolle Tänze vorzuführen. Leider gibt es bei uns in Deutschland weder eine Organisation noch eine Persönlichkeit, die dieser Situation widersprechen könnte.“ Da klingt doch der Ruf nach einer ordnenden Hand durch ein Volkstanz-Gütesiegel oder sowas. Aber möchten wir das wirklich? Ist nicht sehr (oder zu) lange in unserer Volkstanzpflege strikt reglementiert worden. Und haben sich Tänze nicht immer im Lauf der Zeit verändert? Ich weiß schon, dass hier Kommerzkitsch gemeint ist. Vielleicht ist das aber vorwiegend eine Perspektivenfrage und der Grat nicht sehr breit. Festhalten an der oder den Traditionen ist für viele Menschen wichtig – das sind Erdungen, die auch Lebenshilfen sein können.
Christine Führer schreibt: „Früher gab es in den Vereinen einen doch recht strengen „Kodex“, z.B. wurde von der Dirndlmutter kontrolliert ob die Rocklänge stimmt (17cm vom Boden) oder ob das „darunter“ in Ordnung ist. Rauchen in der Tracht war für die Dirndl’n verboten, als Schmuck durfte nur Trachtenschmuck in Silber getragen werden. Diese, doch recht strengen Regeln ließen sich die jüngeren Frauen mit der Zeit nicht mehr gefallen und blieben weg.“
Da hat man den Grund des Rückzugs der jüngeren Generation wenigstens erkannt, aber offensichtlich waren die Regeln wichtiger als die Menschen. Wenn man nicht gerade Fundamentalist oder Taliban ist, hat man schon die Möglichkeiten Regeln zu ändern, die sich ja auch in einer bestimmten Zeit in deren Umständen entwickelt haben und auch Rocklängen mit 18 cm … zu akzeptieren. Vielleicht sollte man im kommenden „Luther-Jahr“ wieder einmal „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ zur Hand nehmen und dann auch die Freiheiten eines Volkstänzers bedenken.
Die Generalversammlung, samt Neuwahl des Vorstandes, in Pörtschach naht. Ich freue mich, wenn wir dabei auch über das Protokoll hinaus, drängende Fragen erörtern können. Für Osterwünsche erscheint die Zeitung leider zu spät, für Weihnachtswünsche zu früh. Also einfach: Frohe Tage!

Herbert Zotti

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