Fröhlicher Kreis 3/2026

Editorial: Wie halten wir männliche Akteure im tänzerischen Geschehen es mit den Frauen?

In immer kürzeren Abständen erfahren wir von Femiziden. Die patriarchalen Strukturen wirken immer noch um einiges stärker als die – zumindest bei Wahlen vor mehr als 100 Jahren eingeführte! – Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Noch vor einigen Jahrzehnten mussten Frauen ihren Ehemann fragen, ob sie einer bezahlten Arbeit nachgehen oder ein Bankkonto eröffnen dürfen (bei der unbezahlten Arbeit war das ja offensichtlich noch nie ein Problem). Und warum hat das alles so lange gedauert? Könnte es etwa daran liegen, dass in den dafür maßgeblichen Gremien immer noch überwiegend Männer sitzen? Bei der letzten Nationalratswahl ist der Anteil an Frauen von zuletzt knapp 40% auf 36% zurück gegangen. Ein Schelm, wer denkt, das könnte mit dem Erstarken rechter Parteien zusammenhängen.

Unlängst war ich in Bozen bei einer außergewöhnlichen Theateraufführung von „Eva schläft“. Eine Koproduktion der Vereinigten Bühne Bozen mit dem Teata in der Gumpendorfer – Wien nach dem gleichnamigen Roman von Francesca Melandri. Diese bedrückende Geschichte Südtirols vom Ende des 1. Weltkriegs über die Zeit der Bombenattentate bis zur Erlangung der Autonomie unter Silvius Magnago, erzählt am Beispiel einer einfachen Arbeiterfamilie, zeigt einmal mehr, dass Geschichte nicht ohne Frauen geschrieben werden darf (und da ist noch gewaltig viel nachzuholen!). Außergewöhnlich bei dieser Aufführung war auch die starke Verbindung zum Tanz, vom zeitgenössischen Ausdruckstanz bis zur Wattentaler Masolka war alles dabei.
Und da wären wir wieder beim Tanz. Als ich bei einem österreichisch-ukrainischen Tanzfest die ukrainische Choreografin zum Walzer einlud, stellte sie mir die völlig unerwartete Frage, ob denn ich oder sie führen solle. Da war es wieder, das patriarchale Denken, dass alles vom Mann ausgeht, weil ich mit der Frage überhaupt nicht gerechnet hatte. Heutzutage können wir da schon viel weiter sein und es gibt auch schon äußerst positive Beispiele dazu. Beim Wiener Kathreintanz (welcher in den letzten Jahren ja nur mehr von einem fast weiblichen Team ausgerichtet wird) habe ich noch sehr positiv in Erinnerung, wie Else Schmidt die Parole ausrief: am ganzen Tanzabend gilt Damen- und Herrenwahl gleichermaßen.
Ihr seht, es kann schon in die (meines Erachtens) richtige Richtung gehen, wenn die männliche der weiblichen Seite Mut und Entscheidungswillen auch zubilligt. In diesem Sinne wünsche ich allen viel tänzerischen und gleichberechtigten Genuss bei den
vielerorts stattfindenden Kathreintänzen.

Wolfram Weber

Inhalt

  • Maria Warnung: Post aus dem Sekretariat
  • Editha John: Die BAG-Woche 2026 – ein Einblick
  • Veronika Sinabell: Grenzenlos Tanzen am Karlsplatz
  • Else Schmidt: Tanzsymposium der ICTMD
  • Claudia Santana: Wenn der Volkstanz Kontinente verbindet
    Internationale Begegnungen machen den Sommer zum Fest der Kulturen
  • Else Schmidt: 75. Wiener Kathreintanz
    – Der Ball der österreichischen Tänze
  • Birgit Fillafer: Spielen – Ein Zugang zu Bewegung, Lernen und Gemeinschaft
  • Else Schmidt: Mit Kindern tanzen – 5. Auflage
  • Birgit Fillafer: Sommertreffen 2026 Arbeitskreis Kinder- und Jugendtanz
  • ArGe Volkstanz Südtirol: Landes-Almtanz auf der Wurzer Alm in Hafling
  • Else Schmidt: Die „Dorf Tiroler Raffelemusig“ und die Tradition des Raffelespiels im Meraner Raum
  • Elisabeth Mengin und Claudia Santana: Kann man zu Technomusik volkstanzen?
  • Doris Zizala: Volkstänzerinnen und Volkstänzer unterwegs
    Die Chor- und Volkstanzgruppe Krems/Lerchenfeld reiste zum Folklorefestival nach Prag
  • Hanna Wiedenig, Helga Wagner: 3-Länder-Sommertanzwoche in Traunkirchen am Traunsee
  • Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #40
  • Else Schmidt: Tänze aus der Sammlung von Carl Bergmann. Heft 2

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