Editorial: Wir haben (den Jugoslawienkrieg ausgeklammert) den ersten Krieg bzw. den ersten Überfall eines Landes auf ein anderes seit weit über 70 Jahren in Europa erlebt.
Und viele damit verbundenen Unanehmlichstkeiten wie Energiekrise, Inflation, Fluchtbewegungen usw. Natürlich könnten wir uns fragen, was uns das angeht. Sind wir der Hüter unsrer Brüder – und sind sie überhaupt Brüder? Wär’s nicht g’scheiter wenn wir unsere „Neutralität“ zum Wegducken verwenden würden und dafür weiterhin billiges Öl und Gas von Mütterchen Russland beziehen würden?
Diese Stimmen werden mit sinkenden Temperaturen lauter. Und jene Partei, die schon immer unseren inneren Schweinehund gefüttert hat, wird das mit Hingabe weiter betreiben und mit ihrer Post-Ibizamoral austesten, was uns unsere Überzeugungen wert sind. Unsere aufgeregte Gesellschaft zerreißt sich, an sich zu Recht und aus besonderer Aktualität, permanent den Mund über Korruption. Jetzt auch noch diese griechische Euroblondine! Der Volkszorn wird sie treffen. In der Weihnachtszeit und kurz vor dem neuen Jahr, also der Zeit großer moralischer Änderungsvorhaben in unserem Leben, dürfen wir uns schon fragen wie wir’s eigentlich mit Korruption, Freunderlwirtschaft und so halten. Man möchte zwar auch gerne bellen, dass wir nicht so sind. Aber stimmt das wirklich? Ist von einer Gesellschaft, die sich nahezu ausschließlich über Geld, Reichtum und Einfluss definiert, anderes zu erwarten? Und ist unsere Empörung über den Splitter im Auge unsers Nächsten mehr als nur Heuchelei?
Natürlich ist es einfach, die eigene Integrität zu bestaunen, wenn diese nicht herausgefordert wird. Aber – um welchen Preis sind wir, bin ich „käuflich“? Die meisten Menschen wissen es eher mangels Gelegenheit nicht. Das ist übrigens kein Plädoyer für die Korruption, sondern ein Appell an die eigene moralische Bescheidenheit.
Jetzt endlich zu unserem Thema: Die Rückkehr von Michaela Lehner ist erfreulich reibungslos verlaufen, abgesehen davon, dass wir ein paar Geburtstags-Gratulationsbriefe nicht – oder zu spät verschickt haben. Bei allen Betroffenen: bitte um Pardon dafür!
Tänzerisch war (auch im Bockkeller) etliches los: Etwa Tanzkurse mit Simon Wascher, Toni Hacker, sowie ein Vorbereitungskurs für den Kathreintanz vom Ehepaar Jung. Und dann: Endlich wieder der Kathreintanz im Palais Ferstel.
Es läuft also wieder und wir dürfen hoffen, dass es so bleibt. Zum Ende dieses herausfordernden Jahres: Ein großes Dankeschön an alle Mitstreiter und Mittäter auf dem Gebiet der Volkskultur, speziell des Volkstanzes.
Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2023!
Inhalt
- Katharina Pecher-Havers: Die Zither: (k)ein Tanzinstrument?
- Katharina Pecher-Havers: Kathreintanz – das Warten hat ein Ende!
- Katharina Pecher-Havers: Tanzmusik im Alpenraum
Symposion zur Volksmusikforschung in den Alpen.
In Erinnerung an Rudolf Pietsch - Michaela Lehner: Zwiefachen Workshop im Bockkeller
- Simon Wascher: Ein Jahr am Eric Salström Institut in Tobo, Schweden
- Margreth Sillaber: Tagesseminar „Volkstänze aus der Schweiz“
- Robert Müller: Über’s Volkstanzen
- Anton Hacker: Tanz auf Reisen
- Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #30
Zu den Ausgaben der Zeitschrift „Fröhlicher Kreis“

