Editorial: Ein etwas sonderbares Jahr liegt hinter uns.
Die politische Landschaft ändert sich nicht zugunsten der Vernunft,
der Freiheit, Demokratie und einem verantwortungsvollen Miteinander. Immer mehr Sonderlinge kommen »demokratisch« an die Macht, um dann die Demokratie zu schwächen. Dabei kommt ihnen die Denkfaulheit und/oder Bequemlichkeit des »Volkes« zu Hilfe. Klar ist es einfacher, wenn einem wer sagt wo’s langgeht. Wenn der Horizont nicht weit genug ist, sieht man auch nicht wo der Abgrund beginnt – oder erst, wenn’s zu spät ist. Ich bin jetzt schon ein paar Jahre auf der Welt. Gelogen und betrogen wurde (vermutlich) immer. An die öffentlich zur Schau getragene Schamlosigkeit der Lüge und permanente Relativierung der Wahrheit kann ich mich nicht erinnern. Niemand erwartet mehr, dass Politiker bessere Menschen sind. Aber inzwischen haben einem Ibiza & Co. gelehrt, dass wir mit einer »Schuldsvermutung« besser beraten sind und Politik oft tatsächlich so funktioniert, wie sich der kleine Maxi das vorstellt. Wer soll da noch glauben, dass das Gemeinwohl wesentliches Anliegen der Politik ist? Und nicht vorrangig das Füllen der eigenen und der Freunderl-Taschen? Aber die Schuld an dem Schlamassel liegt keinesfalls an den Politikern allein: Die etwas abgegriffene »Unschuldsvermutung« – eigentlich hoher Wert eines Rechtsstaates, hat in der Volksmeinung dazu geführt, dass nur mehr das Strafrecht als Maßstab persönlicher Integrität gilt. Moralische
Entgleisungen zählen nicht mehr.
Ich fordere die – möglicherweise noch immer mehrheitlich anständigen – Verantwortungsträger auf, sich deutlicher und klarer zu distanzieren. Sonst verfällt man leicht auf den Gedankengang, dass eh’ alle »Dreck am Stecken« haben – und wenn’s so ist, es
doch besser sei, die eigenen Leut’ hätten was davon.
Man verzeihe meine Abschweifung vom Thema »Tanz«. Natürlich hätte ich vorrangig vom großartigen Kathreintanz in Wien berichten können. Und endlich Dank an alle Mittätigen in der BAG, allen voran Else Schmidt, sowie in den Landesarbeitsgemeinschaften sagen können. Wahrscheinlich ist es ungerecht, wenn man das Gute und Angenehme des Lebens als normal und nicht erwähnenswert findet – so nach dem Motto: »Net g’schimpft is’ g’lobt gnua!« Wenn mir das (gar nicht so) gelegentlich passiert, bitte ich um Vergebung. Besserung zu versprechen trau’ ich mich nicht. Aber jetzt: Herzlichen Dank an alle Volkstanzfreunde, Mitarbeiter, Sympathisanten, Subventionsgeber und Sponsoren – und auf ein gutes Neues!
Inhalt
- Rundschau in das Vereinsjahr 2020
- Michaela Lehner: Wiener Kathreintanz 2019
- Helmut Jeglitsch: 10 Jahre immaterielles Kulturerbe in Österreich
- Eva Ebner: 70 Jahre Volkstanz in Tirol und kein bisschen leise!
- Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #22
- Margreth Sillaber: Tagesseminar
»Volkstänze aus dem Burgenland«
Zu den Ausgaben der Zeitschrift „Fröhlicher Kreis“

