Fröhlicher Kreis 3/2013

Editorial: Die Geschichtsaufarbeitung der BAG erregt weiter die Gemüter.

So auch anlässlich der letzten Jahrestagung im April. Eigentlich ist
das erfreulich, wenngleich manche Wortmeldungen schon etwas betroffen machen. In dieser Nummer finden Sie einen Diskussionsbeitrag von Hadmut Glatz. Wir möchten versuchen, in einer größeren Gesprächsrunde im Spätherbst, zu der alle Interessierten eingeladen sind, dieses Thema weiterzubringen.
Auch, um uns wieder verstärkt Fragen der Zukunft des Volkstanzes zu widmen.
Einer der Fragenkreise wird sich damit auseinandersetzen, ob und was alles verwerflich oder obsolet ist, nur weil es aus der Jugendbewegung kommt, die dann zum größeren Teil vom NS–Staat inhaliert worden ist. Viele unserer Volkstanzpäpste kommen bekanntlich auch aus der Jugendbewegung und sind mit inhaliert worden. Prüfet alles, und das Gute behaltet (1. Thess. 5,21). Aber der Mühsal der Prüfung haben wir uns bisher nicht unterzogen.
Darüber hinaus sind Fragen zu klären wie: Kann Volkskultur ohne Patriotismus bzw. Nationalismus existieren, oder sind das nur zwei Seiten einer Medaille? Wo liegen die Unterschiede zwischen Gemeinschaft und Volksgemeinschaft und hängen diese wirklich zwangsläufig zusammen? Ist unser Volkstanz auch dann noch etwas wert, wenn er sich nicht auf germanische Fruchtbarkeitsrituale zurückverfolgen lässt? Das alles mündet in der Frage, wie wir mit der Vergangenheit der Volkstanzbewegung umgehen. Dazu ist schon etwas Anstrengung des Geistes nötig. Mit Emotionen alleine werden wir nicht zu einem vernünftigen Schluss kommen.
Unlängst erschien ein eher euphemistischer Beitrag von Helmut Jeglitsch in der Zeitschrift „Zwiefach“, der in dem Satz gipfelt: „Die Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz ist heute
gut aufgestellt. Ihre eigene Reformkraft bietet eine aussichtsreiche Grundlage für die Bewältigung auch künftiger Herausforderungen.“
Nicht, dass ich an den Worten unseres ehem. ehrw. Vorsitzenden zweifeln möchte – ich muss es einfach. „Gut aufgestellt“ sind Armeen und Sportmannschaften für den Kampf oder Wettkampf. Abgesehen davon oder weil unser Gegner nicht klar auszumachen ist (die Zukunft?), sieht man auch am Feldherrenhügel keine erkennbare Strategie.

Herbert Zotti

Inhalt

  • Andrea Fürstaller: Tanzleiter*innen Weiterbildungsseminar in Irrsdorf
  • Jubilierender Volkstanzkreis Fischbach
  • Else Schmidt: Volkstanz als konstitutives Element einer Sozietät
  • Leserbrief von Hella Wald: Nachlese zum Thema „Richard Wolfram“
  • Leserbrief von Hadmut Glatz: Kommentar zu „Volkstanz zwischen den Zeiten“
  • Helmut Jeglitsch: Wie war das mit dem Tanzen?
  • Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #4
  • Helmut Jeglitsch: Volkstanz in der Masse
  • Brigitte Formanek: Singen ohne Grenzen
  • Josef Strauß: Erinnerungen eines alten Volkstänzers
  • Helmut Jeglitsch: Nachruf Sepp Strauß (3.12.1925 – 31.3.2013)
  • Helmut Jeglitsch: Bretagne: Tanzfeste im Aufwind

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