Fröhlicher Kreis 4/2023

Editorial: Vielleicht und hoffentlich ist Tanzen auch ein Mittel zur persönlichen Krisenbewältigung.

Wir bräuchten’s immer mehr. Auch wenn man kein Pessimist ist (ich war’s nie) und die Welt eh‘ nicht so ernst nimmt, wie sie’s vielleicht verdienen würde, ist’s grauslich.
Das Völkerunrecht greift schnell um sich und wir fallen in die Zeit blindwütigen Tötens zurück. Die ersten, wirksamen Mittel der Gewalteinschränkung, wie Blutrache oder das ebenso berühmte, wie missverstandene „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (Ex. 21,24) sind vergessen oder verdrängt. Das anonyme Töten wird nur im Krieg und unter Soldaten als „normal“ empfunden. Der Terror im engeren Sinn, der die Ermordung unbeteiligter Zivilisten am Programm hat, wird nur in ethisch etwas abwegigen Kulturen bejubelt. Wir stehen machtlos daneben und hoffen, dass „es“ uns nicht trifft.

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
und rede Du darein! ’
s ist leider Krieg – und ich begehre,
nicht schuld daran zu sein!

Ich schreibe das am 17.10., einige Tage oder Stunden (?), bevor der Einmarsch in Gaza beginnen soll, unzählige Opfer fordern wird und alle, mit Ausnahme der Rüstungsindustrie, nur ärmer machen wird. Das gilt leider auch noch immer für die Ukraine und zahlreiche andere Konflikte weltweit.
Jetzt darüber zu berichten, wie schön, erfrischend und bereichernd die Tanztage in Gmunden waren, auch über die erfolgreiche Teilnahme der ARGE Volkstanz Steiermark am heurigen „Aufsteirern“ und die vielen Tanzschulungen, Kurse usw, erscheint mir fast ein wenig absurd.
Matthias Claudius hat sein „Kriegslied“, dessen Anfang oben zitiert ist, so beendet:

Doch Friede schaffen, Fried‘ im Land‘ und Meere:
Das wäre Freude nun!
Ihr Fürsten, ach! wenn‘s irgend möglich wäre!!
Was könnt Ihr Größers tun?

Vielleicht gelingt’s ja.

Herbert Zotti

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