Fröhlicher Kreis 1/2024

Editorial: Wir tanzen, feiern, reisen und lassen ’s uns so gut gehen, wie’s geht.

Das ist nicht Sarkasmus, sondern Resultat gefühlter – oder tatsächlicher Ohnmacht in einer grausig gewordenen Welt.
Vor einigen Tagen ist Alexej Nawalny gestorben worden. Es ist einfach zum Kotzen. Und außer sich aufzuregen, kann man gegen diese ekelige Willkür nichts, aber auch gar nichts tun.
Donald (was haben wir diesen Namen in unserer Kindheit geliebt), aber nicht Duck, sondern Trump, ist jetzt wegen Betruges etc. verurteilt worden. Aber das entfacht unter seinen Fans nur einen neuen Hype. „Hexenjagd!“. Man fühlt sich wirklich als Bewohner einer Irrenanstalt. Freilich sind auch uns solche „jetzt erst recht“ – Tragikomödien nicht gänzlich fremd. Aber doch in anderer Dimension. Ich schreibe das auch nur, um den Anschein von Fairness zu vermitteln. Noch kann man hoffen, dass ein Volk mit über 330 Mio. Einwohnern nicht zwischen zwei Geronten wählen muss, wo der eine ein bisserl vor sich hin demenzerlt und bereits vergisst, was der andere nie gewusst hat.
Und dann haben wir noch das Drama im „Morgenland“, das in der schwärzesten Nacht versinkt. Selbst der nicht sonderlich sympathische Carl v. Clausewitz hat in seinem „Vom Kriege“ erläutert, dass es Ziel jedes Krieges sei, den Gegner wehrlos zu machen. Nicht ihn zu „neutralisieren“, wie die noble Umschreibung dessen lautet, was man in Wien als Hamdrah’n bezeichnet. Wahrscheinlich sind die Ansichten eines preußischen Generalmajors in Nahost heutzutage nicht sonderlich gefragt. Aber dass es keine Bisssperre mehr gibt, die jeder bessere Hund noch sein Eigen nennen darf, ist einfach entsetzlich. Kein Miteinander, auch kein Nebeneinander – nur komplette Vernichtung ist kein zukunftsweisendes Programm.
Ja, und wir also: Wir tanzen, feiern, reisen und lassen’s uns so gut gehen, wie’s geht. Das ist kein Vorwurf! Wir werden genug dabei zu tun haben, unsere Empathie und Hilfsbereitschaft zu erhalten und uns nicht apathischer Ohnmachtsgefühle hinzugeben.
Übrigens: Es gibt in der BAG einige Veränderungen: Ende Februar wird Michala Lehner ganz ins Wiener Volksliedwerk „übersiedeln“ (tatsächlich ins Nebenzimmer) und Maria Warnung wird das BAG Sekretariat übernehmen. Sie wird sich im kommenden Heft vorstellen. Bei der heurigen Generalversammlung der BAG, am 25.+26.5. in Gmunden, wird es auch Neuwahlen und einen Vorsitzwechsel geben. Und ein wenig Teilhabe an der Kulturhauptgegend 2024.

Herbert Zotti

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