Editorial: Ereignisreiche, »historische« Wochen liegen hinter uns. Wir: maskierte Risikogruppler, beschnitten in unseren Freiheitsrechten,
zurückgeworfen auf uns selbst. Argwöhnisch von unseren Mit- und Gegenmenschen betrachtete potentielle Virenschleudern. Aber auch Helden und Superhelden, weil wir uns MNS-vorschriftsmäßig verhalten haben. Billiger ist man noch nie Held geworden.
Seit gestern darf man wieder herumreisen, die AUA fliegt wieder, die Gelddruckmaschinen laufen heiß. Wir betrinken uns wieder im Freundeskreis und merken dankbar, dass wir uns das Leben eh‘ ganz nett eingerichtet haben – wenn man uns nur so lässt wie wir möchten. Kurzum: dieses »Moratorium« war zu kurz, um nicht nutzlos zu sein. Mir samma wieder wie vorher. Tanzen ist halt noch ein Problem. Außer Disco & Linedance, wo’s eben ohne Körperkontakt geht. Paare, die sich auch sonst nahe sind, können natürlich zusammen Paartanzen. Für Nichtgepaarte ist es zurzeit ein bisserl schwer – aber mit einiger Kreativität findet man schon Lösungen. Und diese sind immer auch Balanceakt zwischen Über- und Unvorsichtigkeit. Kritisch ist möglicherweise der Kindertanz – Erwachsene haben selbst ein mögliches Risiko abzuwägen und sind selbst verantwortlich.
In Abwägung aller gegenwärtigen und noch zu erwartender »Lockerungen« haben wir uns entschlossen, die Tanztage der BAG auch in diesem Jahr durchzuführen. Das wird etwas anders ablaufen als in den letzten Jahren. Aber die Grundfunktionen: Erweiterung des Wissens über den Tanz und seine volkskulturellen Aspekte und Volkstanz-Netzwerk werden allemal erfüllt werden. Natürlich wäre auch die Alternative »Absagen« verlockend gewesen – weniger Arbeit, Sparen und viele weitere Argumente könnte man unter dem Deckmantel der Sorge für die Gesundheit der Schäfchen hervorbringen. Aber: Die Gefahr ist nicht besonders groß und über Covid 19, 20 oder 21 hinaus und weitgehend verdrängt, ist der Tod schon seit einiger Zeit einfach der Preis für das Leben. Die letzten Monate haben uns gezeigt, welch großen Anteil an dem, was wir als »Wert zu Leben« empfinden, Freunde, Geselligkeit, gemeinsames Erleben von Schönheit, Kunst, Kultur und Kulinarik ausmachen. Wenn wir das jetzt etwas bewusster leben und erleben hat sich’s wenigstens menschlich gelohnt.
Mit den besten Wünschen für einen schönen, erlebnisreichen Sommer – Ruhe hamma jetzt genug gehabt (Familien mit Kindern eher ausgenommen)!
Inhalt
- Buchbesprechung: Günther Marchner – Vordergründig Hinterberg
- Buchbesprechung: Sandra Galatz – Bräuche im Salzkammergut
- Herbert Lager: Das 6. Österreichische Bundesvolkstanztreffen in Linz 1980
- Vorschau von Michaela Lehner: CD-Produktion »Alte Tänze für junge Leute«
- Die BAG-Woche 2020 findet statt:
Unsere Grundtänze im Spiegel der europäischen Tanzgeschichte - Franz Fuchs: Volkstanz im Internet #23
Zu den Ausgaben der Zeitschrift „Fröhlicher Kreis“

